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Der Dorfbrand von Lenk

16. Juli 1878

Wie in den meisten Oberländer Dörfern wurde auch die Lenk im 19. Jahrhundert von einem verheerenden Dorfbrand heimgesucht. Nachstehend ein Auszug aus dem im Jahre 1880 erschienenen Büchlein Bericht und Rechnung des Hülfskomite's für die Brandbeschädigten von Lenk:

"Das prächtig gelegene und freundlich gebaute Dorf Lenk im Obersimmenthal war am 16. Juli 1878 der Schauplatz und das Opfer einer verheerenden Feuerbrunst. Das Feuer entstand in der Bäckerei Rieben, zunächst der Dorfbrücke, fast zweifellos infolge eines Konstruktionsfehlers am Kamin und nicht etwa durch einen vom Zugwind hinausgetriebenen Funken, jedenfalls aber nicht durch Böswilligkeit. Als es gegen halb 12 Uhr Mittags auf dem Dache bemerkbar wurde, war es bereits zu bedeutender Kraft angewachsen. Die Löschungsversuche mussten um so erfolgloser sein, als anfänglich nur wenig Mannschaft auf dem Platze war, ein grosser Theil der Bevölkerung des Dorfes und der Gemeinde weit umher zerstreut auf den Bergen und Heuwiesen. Angefacht von einem heftigen, trockenen Nordostwind, ergriff das entfesselte Element im Nu das ganze Zentrum des Dorfes sammt der wie alle Gebäude mit Schindeln gedeckten Kirche und schlug bald auch auf das östliche Ufer der Simme hinüber. Erst bei dem der Kirche unmittelbar benachbarten Pfarrhaus auf dem linken, dem Gasthaus zum Hirschen auf dem rechten Simmenufer brachten die vereinigten kühnen Anstrengungen der Feuerwehr des Ortes und der Nachbargemeinden - es waren zuletzt 9 Spritzen in Thätigkeit - eine Begrenzung des Flammenmeeres zu Stande. Mit sammt der Kirche aber wurden durch das Zerstörungswerk weniger Stunden in Schutt und Asche gelegt: 17 Wohnhäuser, worunter der Gasthof zur Krone und 4 andere Wirtschaften, ferner 7 Scheunen, 2 Schmieden und verschiedene Dependenzgebäude. Ihr Obdach verloren, die Gäste des Gasthofs zur Krone nicht mitgezählt, 94 zur Hälfte unvermögliche Personen in 20 Haushaltungen. Vonu den grossentheils unversicherten Beweglichkeiten aller Art blieb Vieles in den Flammen oder entzündete sich noch, nachdem man es auf den umliegenden Wiesen in Sicherheit gebracht zu haben glaubte. Gottlob war trotz der furchtbaren Wuth des Feuers kein Menschenleben zu beklagen.

Sofort begann die Liebesthätigkeit für die Abgebrannten. Dieselben fanden noch vor Einbruch der Nacht sämmtlich ein Unterkommen. Die gerade in der Lenk weilenden Kurgäste, welche sich schon während des Branden mit viel Geistesgegenwart und Hindgebung an der Rettung von Gebäuden und Habseligkeiten betheiligt hatten, legten am Abend des Unglücktages eine reiche Steuer für die Brandbeschädigten zusammen, die zur einen Hälfte von den Gebern sofort vertheilt, zur anderen Hälfte in die Verwaltung des vom Gemeinderath Tags nach dem Brande ernannte Hülfskomite's übergeben wurde. Ebenso rasch spendeten die Nachbarn von Zweisimmen zwei Fuder Lebensmittel, und auch von Thun her trafen mit möglichster Schnelligkeit mehrere grosse Ladungen von Lebensmitteln, Kleidern und Bettzeug als Vorläufer bedeutender Baarsendungen ein. In mehreren Tagesblättern erschien seitens des Hülfskomite's ein Hülferuf und bald noch eine zweite Kundgebung, welche die sich verbreitende irrige Meinung berichtigen sollte, als ob das Brandunglück fast nur Vermögliche und gut Versicherte betroffen babe. Auf gestelltes Gesuch hin bewilligte das hohe eidgenössische Postdepartement in sehr verdankenswerther Weise die Portofreiheit für Liebesgaben bis zum Gewicht von 5 Kilogramm, wie auch für die vom Komitee ausgehenden und an dasselbe gerichteten Korrespondenzen. Ein reicher Zufluss von Liebessteuern begann. Aus der Nähe und aus der Ferne, von Behörden, Gemeinden, Gesellschaften und Privaten zu Stadt und Land gingen dem Hülfskomite theils direkt , theils durch pfarramtliche oder andere Vermittlung zahlreiche Gaben in Baar und in Naturalien zu, von welchen nachstehend ein vollständiges, übersichtliches Verzeichnis gegeben wird. Wenn einige Geber, namentlich Spenden von Naturalien, seitens des Hülfskomite's keine Empfangsanzeige und Verdankung erhalten haben und erst durch diesen Rechnungsbericht die glückliche Zukunft ihres Beitrages vernehmen, so wollen sie dies mit Rücksicht auf die Geschäftslast des Sekretärs freundlich entschuldigen......"

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